DVWG-Favortrag: Mobilität für Alle? Das Deutschlandticket auf dem Prüfstand – Veranstaltungsbericht vom 10.02.2026
Kaum eine andere verkehrspolitische Maßnahme steht so sehr im Fokus der öffentlichen Debatte wie der Fortbestand des Deutschlandtickets. Während es einerseits als echte Revolution in der Mobilitätsbranche gefeiert wird, werden andererseits die fehlende Finanzierung und das teilweise mangelnde Angebot - gerade in ländlichen Räumen - stark kritisiert. Unter dem Titel „Mobilität für Alle? Das Deutschlandticket auf dem Prüfstand“ beleuchtete Prof. Dr. Claudia Hille am 10. Februar 2026 vor rund 50 Interessierten insbesondere die sozialen sowie verkehrlichen Auswirkungen des 2023 eingeführten Tickets.
Im Fokus stand die Frage, ob und inwiefern das Angebot zu einer gerechteren und nachhaltigeren Mobilität beiträgt – oder ob strukturelle Ungleichheiten weiterhin bestehen bleiben. Zunächst erläuterte die Professorin der Hochschule Karlsruhe den Zusammenhang zwischen sozialer Teilhabe und Mobilität. Sie zeigte auf, dass soziale Teilhabe eng mit dem Zugang zum Mobilitätssystem verknüpft ist und welche Faktoren diesen Zugang beeinflussen können. Danach richtete sie den Blick zurück und machte anhand von eigenen Studienergebnissen zum Einfluss des 9-Euro-Tickets auf die soziale Teilhabe von Menschen mit niedrigen Einkommen deutlich, welche positive Wirkung ein stark rabattiertes Mobilitätsangebot entfalten kann. Daran anschließend zeigte sie anhand einer Vergleichsstudie zwischen Karlsruhe und Erfurt, welche sozialen Effekte das Deutschlandticket hat. In den Ergebnissen zeigt sich, dass Menschen mit niedrigen Einkommen, wenn sie sich ein Deutschlandticket leisten, ihre Sozialkontakte häufiger pflegen und mehr Aktivitäten ausüben. Allerdings machte Claudia Hille auch deutlichen, dass für diese Bevölkerungsgruppe mitunter große Hürden im Erwerb des Tickets bestehen. Neben dem finanziellen Aufwand ist das insbesondere das bestehende Abo-Modell und die damit einhergehende monatliche Verpflichtung. Menschen mit niedrigen Einkommen nutzen den ÖPNV eher mit Einzel- oder Tagesfahrscheinen und deutlich seltener als Monatsabo. So zeigte der Vortrag, dass es eine erhebliche Anzahl von Menschen in Deutschland gibt, die sich ein Deutschlandticket grundsätzlich nicht leisten können und die zudem keinen Zugang zu einem Sozialticket haben. Ein möglicher Lösungsansatz wäre hier ein bundesweit einheitliches Sozialticket.
Wir bedanken uns bei Prof. Dr. phil. Claudia Hille für den spannenden Vortrag und begrüßen sie gleichzeitig herzlich als frisch gewähltes Mitglied im Vorstand der BV Oberrhein. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!
Für unsere Mitglieder steht die Präsentationen von Frau Prof. Dr. phil. Claudia Hille im geschützten Mitgliederbereich zur Verfügung.
