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Kurzexkursion der BV Oberrhein zur Firma Volocopter GmbH in Bruchsal am 15.10.2019

In der Presse ist über das Thema Volocopter in den letzten Monaten häufiger im Zusammenhang mit neuen Verkehrskonzepten, und neuer Technologie berichtet worden. Konzerne wie Daimler, Intel und zuletzt Geely aus China beteiligen sich an der Entwicklung dieses elektrisch betriebenen, hubschrauberähnlichen Flugtaxis (Multikopter), weil sie in diesem System ein großes technisches und wirtschaftliches Zukunftspotential sehen.

Die DVWG Oberrhein nahm mit 18 Teilnehmern die Gelegenheit wahr sich über diese neue Technologie, die quasi vor der eigenen Haustür entsteht, genauer zu informieren. Im Rahmen einer eineinhalbstündigen Präsentation wurde uns die Entwicklungsgeschichte dieses Fluggerätes und die zukünftige Vermarktungsstrategie nähergebracht und unsere z. Teil kritischen Fragen beantwortet.

Der erste bemannte Senkrechtflug eines elektrisch betriebenen Multikopters fand 2011 im Gründungsjahr der Firma Volocopter statt. Seitdem gab es bereits einige Demonstrationsflüge, sowie einen autonomen Flug 2017 in Dubai. Das Luftfahrtrechtliche Zulassungsverfahren bei der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln läuft seit einiger Zeit. Die EASA hat hierzu besondere Regeln als Richtlinie für Hersteller und Betreiber herausgegeben. Unter anderem wird eine sehr hohe Ausfallsicherheit und Systemredundanz für derartige Fluggeräte gefordert.

Der Auftrieb wird von 18 Elektromotoren erzeugt. Die Zelle und das Traggerüst für die Motoren sind aus Faserverbundwerkstoffen. Mit der jetzigen Batterietechnik beschränkt sich die Reichweite auf ca. 30 km bei einer max. Reisegeschwindigkeit von ca. 100 km/h. Bei einem Gesamtgewicht von 450kg ist die mögliche Zuladung auf 200 kg begrenzt was für den Piloten und einen Passagier mit Gepäck ausreicht. Die Versorgung erfolgt durch 9 Batterien redundant. Für große Städte wie Singapur, Sao Paulo etc. deren Verkehrsinfrastrukturen überlastet sind, soll der Volocopter zukünftig eine zusätzliche Möglichkeit des Transportes über Luftstraßen zum Preis eines Taxis (ca. 100 € pro Flug) bieten. Dazu ist ein Shuttleservice mit regelmäßigen Flügen zwischen ausgewählten Standorten geplant. Individuelle Flüge sind nicht vorgesehen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass dieses System in mehr als 60 Städten als Zubringer zu den jeweiligen Flughäfen weltweit einsetzbar wäre. Da die Technologie im Vergleich zum konventionellen Hubschrauber weit weniger wartungs- und kostenintensiv sein wird und zusätzlich kaum Fluglärm erzeugt, rechnet sich Volocopter gute Chancen für den Einsatz aus.

Volocopter arbeitet gleichzeitig an der Integration Ihres Systems an den bestehenden Verkehrskonzepten der großen Städte. Nur im Verbund kann ein schneller Transport mit guter Anbindung an bestehende innerstädtische Systeme verwirklicht werden. Der Volocopter soll eine zusätzliche Transportoption anbieten und wird aufgrund seiner Struktur aber kaum einen Beitrag zur Entlastung der Verkehrsinfrastruktur am Boden liefern können.

Ein abschließender Besuch im Hangar auf dem Sonderlandeplatz Bruchsal gab uns noch einmal die Gelegenheit einen Volocopter aus unmittelbarer Nähe anzuschauen und sich die Technik vor Ort von Fachleuten erklären zu lassen.

Wir danken der Firma Volocopter für die freundliche Aufnahme und ausführliche Information.

Rolf Gerhardt und Günter Koch (DVWG BV Oberrhein)